CD-Tipp für "Klassik-Zeit"


Die Geschichte um die Entstehung des Requiems von Wolfgang Amadeus Mozart gehört zu den großen Mythen, die sich um Leben und Werk des Salzburger Genies ranken. Auch in diesem Fall haben sich bei vielen sicherlich die Bilder aus Milos Formans 'Amadeus'-Film ins Gedächtnis eingegraben - dass die Realität meist viel nüchterner ist, als es die Kinowelt vorgaukelt, das geht dann leicht vergessen. Und natürlich ist es für die Biographen verführerisch, die von Mozart am Ende seines Lebens geschriebene Totenmesse mit seinem frühen Tod in Verbindung zu bringen. Doch hinter allen Vermutungen über einen geheimnisvollen Boten, und vor allem hinter der These, Mozart habe hier in Vorahnung ein Requiem für sich selbst geschrieben, steckt mehr Dichtung als Wahrheit. Die Komposition war ein gut bezahlter Auftrag des Grafen von Walsegg-Stuppach, und dies ist auch der Grund dafür, dass das angefangene Werk schon bald nach Mozarts Tod von fremder Hand vollendet wurde. Dazu gleich mehr, hier erst einmal der Anfang von Mozarts Requiem in der neuen Aufnahme mit dem Bachchor Mainz und dem Orchester 'L'arpa festante' unter der Leitung von Ralf Otto.


Mozart: Requiem / Introitus - Kyrie


Das waren der Bachchor Mainz und das Orchester 'L'arpa festante' unter der Leitung von Ralf Otto mit dem Anfang des Requiems von Wolfgang Amadeus Mozart. Eine neue Aufnahme, die kürzlich beim Label 'NCA' erschienen ist und die wir Ihnen heute hier in der hr2-Klassik-Zeit vorstellen möchten.
Mozart konnte den gut bezahlten Auftrag für ein Requiem zum Gedenken der Gräfin von Walsegg-Stuppach nicht vollenden. Es ist nur verständlich, dass Konstanze Mozart versuchte, von dem angefangenen Werk ihres Mannes zu profitieren; so beauftragte sie mehrere Schüler Mozarts mit der Ergänzung der Komposition. Den größten Anteil an der Version des Requiems wie wir es kennen hatte Franz Xaver Süßmayr, der nicht nur die von Mozart überlieferten Skizzen vervollständigte, sondern mit dem Sanctus und dem Agnus Dei auch ganz eigene Kompositionen beisteuerte. Im Lauf der Zeit wurde immer wieder Kritik laut an der Version, wie sie von Süßmayr überliefert ist, 'natürlich' möchte man sagen, denn wer kann schon neben einem Mozart bestehen. Also gab es immer wieder auch Verbesserungs-versuche. Dazu gehört jener des amerikanischen Pianisten und Komponisten Robert D. Levin, der 1987 von Helmuth Rilling und der Internationalen Bachakademie den Auftrag erhalten hatte, eine Neuergänzung von Mozarts Requiem vorzunehmen. 1991 wurde diese Fassung erstmals aufgeführt, ein Jahr später übrigens in Koproduktion mit dem Hessischen Rundfunk auch auf CD veröffentlicht. Mit der Einspielung von Ralf Otto und seinem Bachchor Mainz ist jetzt Robert Levins Version erstmals auch in historischem Klang zu hören, denn als Partner wirkt das Orchester 'L'arpa festante' aus München mit, das auf Nachbauten alter Instrumente zu hören ist. Robert Levin übrigens hält sich weitgehend an die von Franz Xaver Süßmayr geprägte Fassung, seine Änderungen liegen eher im Detail, so dass sie vielen Hörern sicherlich gar nicht auffallen werden. Eine der auffälligeren Änderungen hören Sie am Schluss unseres nächsten Ausschnitts: die Amen-Fuge am Ende des Lacrimosa hat Robert Levin eingefügt, weil Süßmayr hier untypisch nur mit einer kurzen Kadenz endet. Doch jetzt lassen Sie sich erst einmal gefangen nehmen von dem Solisten-Quartett dieser Aufnahme: von Julia Kleiter - Sopran, Gerhild Romberger - Alt, Daniel Sans - Tenor und Klaus Mertens - Bass, sowie von dem sehr schön musizierenden Bachchor Mainz und dem Barockorchester 'L'arpa festante' unter der Leitung von Ralf Otto. Sie hören den zweiten Teil der Sequenz, beginnend mit dem 'Recordare, Jesu pie'.


Mozart: Requiem / Sequenz - Recordare / Confutatis / Lacrimosa


Diese zum Schluss gerhörte Fuge beginnt, wie es in den Skizzen Mozarts überliefert ist, ansonsten ist es 'Mozart alla Levin'. Sie hörten die zweite Hälfte aus der Sequenz des Mozart-Requiems in der neuen Einspielung mit dem Bachchor Mainz und dem Orchester 'L'arpa festante' unter der Leitung von Ralf Otto.
Mozarts Requiem in der Fassung von Robert Levin und mit dem Klang historischer Instrumente aufzunehmen macht Sinn. Schließlich ist Robert Levin ein höchst kompetenter Fachmann - nicht nur ein Wissenschaftler, der die Quellen studiert hat und sich in die Mozart-Zeit eindenken kann, sondern auch ein ausgewiesener Pianist und Musiker, dessen Version sowohl wissenschaftlich wie auch musikalisch Beachtung verdient. Ralf Otto nun hat diese Fassung mit hervorragenden Solisten, einem Chor und einem Orchester, die gleichermaßen klangschön wie musikalisch sinnfällig gestalten, umgesetzt - so wird diese Musik zu einem Erlebnis, bei dem es letztlich gleichgültig ist, wie groß der Anteil von Mozart, Süßmayr, Levin oder anderen daran war.


Mozart: Requiem / Agnus Dei


Eine beeindruckende Totenklage - das war das Agnus Dei aus dem Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart - in einer neuen Aufnahme mit dem Bachchor Mainz, den Ralf Otto seit 20 Jahren leitet und zu einem der besten deutschen Chöre geformt hat. Es spielt bei dieser Produktion das Orchester 'L'arpa festante' München, die Solisten sind Julia Kleiter - Sopran, Gerhild Romberger - Alt, Daniel Sans - Tenor und Klaus Mertens - Bass. Erschienen ist diese Aufnahme, die übrigens auch als Surround-Aufnahme im Super-Audio-CD-Format zu hören ist, beim Label 'NCA'.
Radio HR2 28.04.2006